Lea Schönfelder - March 25, 2014

Harlemimage

Lea Schönfelder - March 11, 2014

Central Park

Lea Schönfelder - March 4, 2014

Brown Bear, North American Hall at Museum of Natural History

Lea Schönfelder - Februrary 27, 2014

Juliane Camfield

Franziska Zeiner

Lea Schönfelder - February 20, 2014

Telos Conference on democracy, German House

Selbstportrait in New York

Lea Schönfelder - February 18, 2014

Bra Shopping image

Pink - Victoria’s Secretimage

Lea Schönfelder - February 14, 2014

Bleecker Street

Coney Island

Inka Parei - January 11, 2014

Ein Keller in einer Seitenstraße dicht an der 7th Avenue. Wir nehmen die schwach beleuchteten Stufen nach unten. Auf halber Treppe hockt, in einer dunklen Nische hinter einem Verkaufstisch, ein schmaler blasser Mann mit einer schwarzen Schapka. Er ist Inhaber eines Jazzclubs mit dem Namen Smalls, ein ehemaliger U-Bootfahrer, und wie es scheint immer noch auf Tauchstation.

Ein kleiner Raum, zwanzig, vielleicht dreißig Zuhörer. Es spielt die Smalls Legacy Band. Groß angekündigt: Frank Lacy, ein bärtiger Posaunist mit riesengroßen, weiß schimmernden Augen und einem nach Piratenart um den Kopf geschlungenen Baumwolltuch. Es ist ihm anzumerken, dass er heute nicht in Form ist.Seine Soli sind kurz. Meist setzt er sich danach gleich auf einen Stuhl, gähnt oder schläft fast ein. Dann wieder springt er plötzlich auf und beginnt die Gruppe mit etwas fahrigen, weit ausholenden Bewegungen zu dirigieren. Aber der Schlagzeuger, Kush Abadey, ist wirklich gut, ebenso der Saxophonist, Stacy Dillard, und auch Josh Evans, der hart, schillernd und sehr schnell Trompete spielt.

Nächster Versuch: Winter Jazz Fest im großen Saal des Poisson Rouge. Es kommen mehrere hundert Gäste. Zum Teil stehen sie, um Karten zu bekommen, bis in die nächste Querstraße Schlange. Zwei Bigbands sind angekündigt. Den Schlagzeuger der ersten Band, kennen wir doch? Ja, es ist Kush Abadey, der Mann aus dem kleinen Club am Abend davor. Später werden wir, zu unserer Freude, zwischen vielen Musikern auf der Bühne Frank Lacy entdecken, heute deutlich weniger müde;  auch Josh Evans, der Trompeter, ist wieder dabei. Abadey hat ein Kind mitgebracht, vielleicht sein eigens. Während mehrerer Stücke steht er immer wieder auf, überlässt dem Kleinen, er kann nicht älter als acht oder neun  sein, unauffällig seinen Platz. Der Junge spielt, wir können es kaum glauben, denselben komplizierten Rhythmus ganz souverän weiter. Der Teil der Menge, die vorne steht, klatscht anschließend etwas lauter, aber das Kind wird weder hochgehoben noch sein Name genannt. Nicht alle im Saal haben das Ganze überhaupt mitbekommen

Dritter Abend: The Fat Cat  in der Christopher Street. Drei Dollar Eintritt. Eine auf den ersten Blick seltsame Mischung aus Freizeitzentrum, Nachtclub, Spielschuppen, mit Billiardtischen, weiter hinten auch ein paar Tischtennisplatten. Wir warten auf Naomi Shelton und ihre  Gospelqueens, und sehen, weiter hinten, mit Teilen eines bereits wieder verpackten Schlagzeugs, wen vorbei laufen? Richtig, Kush Abadey. Mitreißend feiert Shelton, eine über siebzigjährige Gospel- und Soulsängerin, die Liebe zu Jesus, angehimmelt von jungen Mädchen in Miniröcken mit Drinks in der Hand, die die Refrains mitsingen. Nach dem Auftritt bleiben wir noch eine Weile sitzen und sind schließlich nicht mehr erstaunt, als Stacy Dillard erscheint, sein Instrument auspackt.

Am nächsten Tag suchen wir nach Informationen  über die vier. Alle haben eigene Alben herausgebracht, waren mit Jazzgrößen unterwegs. Trotzdem treten sie jeden Abend in kleinen Clubs auf, für sicher nur wenig Geld. Wahrscheinlich, mutmaßt H., sind das ihre öffentlichen Proben. Auch John Coltrane, Miles Davis und andere berühmte Jazzmusider haben, bevor sie ganz groß wurden,  Nacht für Nacht in ihren Stammlokalen  gespielt.

(English translation to follow shortly.)

Inka Parei - January 6, 2014

Meine Wohnung liegt im siebten Stock eines Baudenkmals aus den Sechziger Jahren. Das ist jedes Mal mein Gedanke, wenn ich durch die kleine Lobby gehe und mit dem schnellen, mit orangefarbenem Plastik verkleideten Aufzug nach oben fahre. Ob die drei klobigen Türme aus graugelbem Beton mit dem Platz in der Mitte, auf dem eine riesige aber kaum beeindruckende Figur steht, die von Picasso entworfen wurde, tatsächlich unter Denkmalschutz stehen, weiß ich nicht. Ich weiß noch nicht mal, ob es hier so etwas überhaupt gibt. Möglicherweise hat man hier andere Prinzipien, nach denen Häuser instand gesetzt werden. Vielleicht ist  der Begriff der Sanierung, mit allem, was dazu gehört, dem Ersetzen von Fenstern, dem Abtragen von ganzen Vergangenheitsschichten eines Gebäudes, seine – gruseliges Wort! – Entkernung etwas typisch deutsches. Wenn ich an die Häuser bei mir im Prenzlauer Berg denke, wo innerhalb eines Jahrzehnts die Spuren der Geschichte eines ganzen Viertels mit beängstigender Gründlichkeit weggehobelt, mit dem Sandstrahlgebläse abgeschmirgelt, überputzt und überstrichen wurden, scheint mir diese Überlegung nahe liegend.

Ich liebe dieses Gebäude, weil in ihm die Zeit stehen geblieben ist. Ich liebe seine alte Heizung, das Bedienungsschild mit den klobigen Knöpfen, auf dem in altmodisch kecker Schrift der Name eines Herstellers steht, den es vielleicht gar nicht mehr gibt.  Die abgewetzten Messingschlüssel, sicher hatten sie schon die allerersten Bewohner in der Hand. Und die riesigen klapprigen Fenster, an denen nachts der Wind so laut rüttelt und jault, dass ich manchmal davon aufwache und mich fühle, als wäre ich nicht in Manhattan, sondern in einer einsam gelegenen Blockhütte.

Drinnen ist es karg. Ein Regal, ein Sofa. Zwei Tische, ein paar Stühle. Das passt, irgendwie, zu I.M. Pei, einem Bauhaus-Schüler, der an dem Entwurf der Häuser beteiligt war, ist aber bloß institutionellem Geldmangel geschuldet.

Nach einer Weile zerrt die  Leere in dem großen Wohnzimmer an meinen Nerven. Und so geht das hin und her. Mal bin ich deprimiert über die Nacktheit meiner Behausung, dann wieder mag ich sie.

Ein paar Wochen später denke ich über die Ambivalenz dieser Gefühle noch einmal nach. Frühere Bewohner des Appartements haben ihre Bücher dagelassen und ich nehme einen Roman von Marleene Streeruwitz zur Hand, Partygirl.  Beinahe augenblicklich gerate ich in den Sog brachialer Stakkatosätze. Das ausweglose Leben einer Frau, deren Eltern und Großeltern unauflösbar mit der Nazizeit verwachsen waren, in perfider Chronologie von seinem trostlosen Ende her zu seinem Ursprung erzählt. Szenen in muffigen, schlecht beleuchteten oder zwielichtigen Zimmern, in denen ältere Leute hausen, die Schuld auf sich geladen oder diese geduldet haben. Zwielichtige Bars, in denen dicke, lüsterne Männern nach Frauenbeinen grapschen, Kerle, die unterwegs sind in viel zu dick gepolsterten Autos, hinter deren dunkel getönten Scheiben Gier, Hilflosigkeit und Unmoral lauern.

Viele, die nur ein paar Jahre jünger sind als ich, wissen vielleicht gar nicht mehr, von welcher Beklemmung überhaupt die Rede ist. Mir jedoch, die Eltern aus zwei verschiedenen Generationen hat, ist ihre Sichtweise noch recht nah. Blickt man nach so einer Lektüre auf und schaut in ein helles, fast leeres Zimmer, stellt sich sofort Erleichterung ein. Eine Zeitlang, jedenfalls.

(English translation to follow shortly.)

Inka Parei – December 20, 2013

Mit hoher Geschwindigkeit durch Zeitzonen zu reisen hinterlässt bei mir meist für einen oder mehrere Tage seltsame Kerben in der Wahrnehmung. Letztes Jahr, bei einer sechswöchigen Reise durch Neuseeland, war es das Licht des Pazifik, das sich mir grell in den Kopf bohrte. Alles, was ich sah, kam mir unwirklich vor, und ich war davon überzeugt„ um zu verstehen, was ich vor Augen habe, müsste ich die Landschaften und Menschen wenigstens einmal,  für ein paar  Minuten, in dem diffusen  europäischen Grau sehen können, aus dem ich gerade gekommen war.

Am Tag vor der Abreise nach New York war ich noch mit H. im Kino. The Human Scale, ein Porträt des dänischen Architekten Jan Gehl. Gehl hat sich kritisch mit den Folgen der architektonischen Moderne auseinandergesetzt und das Zentrum von Kopenhagen vorbildlich umgestaltet. Seitdem wenden sich Städteplaner aus aller Welt an ihn, um die Probleme in ihren Metropolen zu lösen.

So unterschiedlich die schnell wachsenden Orte verschiedener Kontinente, die man in dem Film zu sehen bekommt, auch sind, sie basieren alle auf der offenbar noch immer profitabelsten Idee, möglichst viele Menschen in gleichförmige Hochhäuser zu pferchen und drum herum laute, mehrspurige Schnellstraßen solange immer weiter auszubauen, bis der Verkehr  kollabiert.

In Melbourne oder  New York hat man einige von Gehls Verbesserungsvorschläge schon umgesetzt (gleich bei meinem ersten Spaziergang stoße ich an der Kreuzung vor dem Flatiron Building auf eine seiner kleinen Ruheinseln) aber in den ärmeren Gegenden der Welt fehlt es an Mitteln und ganz grundlegende Probleme, wie verschmutztes Trinkwasser und Müllberge überlagern alles.

Während ich  übermüdet  den Broadway entlang laufe, kann ich die Filmbilder des nächtlichen Chongqing vom Vorabend nicht verscheuchen, ein Meer aus Glitzerpunkten. Ein Teil davon ist statisch und folgt einem sturen Muster, der andere beweglich, ein fließendes Leuchten, wie Lavaströme auf einem Möbiusband.  Auch die Eindrücke meines kurzen Aufenthaltes in Delhi, Kalkutta und Hyderabad vor knapp einem Jahr drängen plötzlich wieder hoch.

New York, die pulsierende, rastlose, sich ständig neu erfindende Stadt? Manhattan kommt mir eher wie eine vornehme, vielschichtige, kulturell hoch gebildete ältere Dame vor, die in ziemlich geordneten Verhältnissen lebt. 

(English translation to follow shortly.)